Tapfer singen Kanzler Helmut Kohl, Außenminister Hans-Dietrich Genscher,
Berlins Regierender Bürgermeister Walter Momper und
SPD-Ehrenvorsitzender Willy Brandt am 10. November 1989, einen Tag nach
dem Mauerfall, gegen einen Orkan gellender Pfiffe an: "Einigkeit und
Recht und Freiheit …" Aber sie haben keine Chance. Das Volk vor dem
Schöneberger Rathaus will das Lied an diesem Abend nicht hören. Die
Kakofonie geht durch alle Nachrichtensendungen und sorgt für einen
schiefen Ton in aller schwarz-rot-goldenen Euphorie. Mit ihrem ureigenen
Lied, so scheint es, haben einige Deutsche nie ihren Frieden gemacht.
Auch als die Mauer fällt und Berlin und das ganze Land wieder eins
werden.
Die Deutschen und ihre Hymne – das ist eine lange, komplizierte und
faszinierende Geschichte, der sich die neue Folge von "Wie war das noch
mal?" vor allem musikalisch nähert: Wir begeben uns auf die Spuren der
Reise, die das "Lied der Deutschen" bis heute zurückgelegt hat, und
hören immer wieder hin: Von Wien um 1800, als Joseph Haydn die Melodie
ersann – wenn auch zu einem ganz anderen Zweck –, bis auf die Insel
Helgoland, wo Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1841 die bald berühmten
und später berüchtigten drei Strophen dichtete.
Wir fragen, was das Lied den Deutschen bedeutete, als es noch keine
Hymne war – und was der sozialdemokratische Reichspräsident Friedrich
Ebert erreichen wollte, als er es 1922 zum Nationalgesang erkor. Wir
blicken auch auf die Zeit des Nationalsozialismus, als "Deutschland,
Deutschland über alles" allenthalben als chauvinistische Drohung
skandiert wurde und zur Begleitmusik von Pogrom, Angriffskrieg und
Holocaust wurde. Und schließlich diskutieren wir die Frage: Haben wir
Deutschen eigentlich kein anderes Lied in petto?
Das aktuelle ZEIT-Geschichte-Heft "Wer sind die Deutschen? Und seit
wann?" bekommen Sie online im ZEIT Shop oder im Handel. Unter diesem
Link können Sie eine Gratisausgabe von ZEIT Geschichte zum Testen
bestellen.
Für unseren Podcast haben wir folgende Literatur benutzt, die wir gerne
empfehlen wollen:
- Jörg Koch: "Einigkeit und Recht und Freiheit. Die Geschichte der
deutschen Nationalhymne", Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2021
- Kurt Reumann: "Die Geschichte der deutschen Nationalhymne", Frank &
Timme Verlag, Berlin 2024
- Bernt Ture von zur Mühlen: "Hoffmann von Fallersleben. Biographie",
Wallstein Verlag, Göttingen 2010
Wir möchten uns sehr herzlich bei den sogenannten Liedarchäologen
Stephan Höning und Joachim Seltmann bedanken, die uns ihre Aufnahmen des
"Liedes der Deutschen" und "Was ist des Deutschen Vaterland" zur
Verfügung gestellt haben. Die beiden geschichtsbegeisterten Lehrer
spielen historische Lieder ein und erzählen dazu die Geschichten, die
sich in Texten und Melodien verbergen. Auf ihrer Internetseite sind
viele davon zu sehen und zu hören, man findet sie auch bei YouTube.
Bedanken wollen wir uns auch bei dem Komponisten und Musiker Örnólfur
Eldon Thórsson, der uns seine Version der Melodie des Liedes "Freiheit"
von Marius Müller-Westernhagen auf dem E-Piano eingespielt hat.
Das "Trizonesien-Lied" stammt im Original vom bekannten Kölner
Karnevalisten Karl Berbuer, der auch eine Reihe weiterer bekannter
Karnevalsschlager gedichtet hat, wie zum Beispiel "Heidewitzka, Herr
Kapitän". Hintergründe zum Song und zum Künstler gibt es hier.
Tonaufnahmen von Sitzungen des Parlamentarischen Rats 1948/49, unter
anderem die Gesangseinlage "Ich hab mich ergeben" vom 23. Mai 1949, gibt
es hier.
Unsere in der Sendung erwähnte Folge zum Parlamentarischen Rat und der
Geburt des Grundgesetzes finden Sie hier.
Alle Folgen des Podcasts hören Sie hier. Die Redaktion erreichen Sie per
Mail unter
[email protected].
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andere, im Handel oder online im ZEIT Shop.
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